06.05.2019: unter leuten

es ist frühes c/o pop festival in köln und im verlauf eines tages wechselt fünf mal die jahreszeit. ehrenfeld. am samstag stehen studentInnen mit weißen schuhen, die an popkultur und konzerten interessiert sind in einer schlange die sich vom bürgerzentrum bis zum kebapland zieht, es sind viele dudes da die häufig digga sagen. an einem kiosk gibt es aperol spritz zu kaufen, die stimmung ist insgesamt aufgekratzt, ephemer und hip-neoliberal. wir schaffen ein konzert und suchen dann bei l. zuflucht vor der masse.

paris london tokyo ehrenfeld, an einem stand der t-shirts mit diesem aufdruck verkauft, laufen wir gestern auf dem weg zum wirklich guten konzert von h. vorbei. hier, auf der heliosstraße, ist eine art market aufgebaut, man kann wieder aperol spritz trinken und dazu, berieselt von zur szenerie passendem, belanglosem funky house, für den natürlich ein dj engagiert wurde, schmuck kaufen, der aussieht wie von instagram persönlich designed. ich kaufe einen ring.

nach dem konzert essen wir bei l. seine selbstgemachten maultaschen und reden über diverses, zum einschlafen höre ich sean paul.

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03.05.2019

draußen ist plötzlich alles ganz grün und buschig geworden, die natur hat sich aufgeplustert.

auf dem rückweg von S. ausstellungseröffnung im bonner kunstverein versuche ich festzustellen wie es in der bahn riecht, es riecht nach bahn und ein bisschen nach nassem boden.

ein teil der ausstellung, die sich mit duft auseinandersetzt, ist ein dufttagebuch, es liegt neben anderen texten und zeichnungen auf einem langen tisch, der in einem riesigen raum gefüllt mit schlechter luft steht, über den sich interessierte besucherInnen beugen.

eine abgeranzte matratze auszustellen (S. teilt sich die riesigen räume mit noch einem künstler, der das tut) denke ich zwischendurch, ist in etwa so wie wenn man 2019 zenit – waitin‘ in einen mix packt. vielleicht schon wieder geil.

für eine vernissage wirkt die stimmung fast gelöst, es gibt aber auch wein und bier for free und irgendwann gibt es sogar pizza, aber selbst dafür sind wir heute alle zu müde und gehen dann nach hause.

das allermeiste, das denke ich heute morgen und allgemein die letzten tage, macht man nur, damit etwas passiert.

01.05.2019

viel zu früh am morgen höre ich seit langem wieder deutschlandfunk. es läuft eine wiederholung über lucius burckhardt, der die promenadologie erfunden hat, spaziergangswissenschaft. es ist funny, weil ich dabei meinen fuß mit einer packung tiefkühlbeeren kühle, das gelenk ist dick und adrig, es pocht. der fuß ist umgeknickt als ich ein paar stunden zuvor ehrenlos zur bahn sprinte, wir wollen weg aus der stegerwaldsiedlung, wo man in den mai rauchen, reden, tanzen konnte.

in der küche riecht es nach voltaren und den eingelegten oliven vom vorabend, im radio geht es jetzt um flanieren in paris, ich fühle mich schwach und übernächtigt, meine mutter sagt mir den fachbegriff für überdehnung am telefon und dass voltaren falsch ist, ich bin in gedanken noch beim spazierengehen, finde die vorstellung unbefriedigend, dass ich heute nicht spazieren kann und hole erstmal bisschen schlaf nach.

danach sieht alles etwas angenehmer aus, auch der fuß hat sich erholt und ein bisschen spazieren ist drin, die luft ist rein, ihr geruch nordisch-frisch, wir spazieren zum rhein, es sind viele menschen aber erstaunlich wenige hunde dort, ich frage mich wie oft ich wohl schon an dieser promenade saß wo wir dann sitzen und mit wem, schiffe fahren vorbei, ein paar leute hören laut 50 cent und nehmen der szenerie damit jede ernsthaftigkeit.

zum verfrühten c/o pop festival spielen scooter heute im palladium und während ich versuche darüber einen tweet zu schreiben fällt mir auf dass ich eigentlich keine richtige meinung hab dazu

 

29.04.2019: hunde

heute vermehrt darüber nachgedacht warum ich hundehaltung nicht mag und damit meine ich nicht hunde an sich, hunde sind normale tiere mit ihren naturgegebenen hundespezifischen eigenschaften, die insgesamt ok sind.

was ich meine ist der umstand wie menschen mit hunden sind, also herrchen und frauchen mit ihrem haustier und die tatsache dass wenn ich spazieren gehe ich immer das gefühl habe dass menschen ohne hund gar nicht mehr existieren. ich komme mir fast ausgeschlossen vor auf der straße, weil ich zur minderheit gehöre ohne leine zum dran festhalten und ein tier was mir zuhechelt. das bild von der/dem hundehalterIn die/der stehen bleiben muss weil das tier pinkelt oder kackt und in letzterem fall holen sie dann diese orangenen tütchen raus und dann gucke ich immer weg weil es schon eigentlich abartig ist, ich frage mich immer ob es dann noch so warm ist in der hand? wahrscheinlich hat meine aversion diverse gründe, mir fallen spontan drei ein:

erstens die soziale prägung, familienintern hatten wir nie einen hund, meine mutter hat übertrieben angst vor hunden und von meinem vater ging auch eher skepsis ihnen gegenüber aus, er hat das nie gesagt, aber ich habe das gespürt, ich glaube er ist eher der katzentyp.

der zweite grund ist dass ich mir sicher bin dass sich die meisten hundehalter denen ich entgegen komme ohne zu zögern gegen mich entscheiden würden. wenn es plötzlich, bei einem abendlichen spaziergang, zur apokalypse käme und der asphalt bröckeln würde in einer straße in der nur 1 herrchen mit seinem hund spazieren geht und ich; wenn also unter uns die hölle aufgehen würde und wir uns auf die letzte laterne retten müssten, die aber nur ein bestimmtes gewicht hält, dann würden die meisten hundehalter sich selbst retten und den hund und mich ohne zu überlegen runter in die heiße lava schubsen, da bin ich mir sicher. hundehaltermenschen lieben ihren hund in den meisten fällen mehr als andere menschen, man spürt es. wahrscheinlich summt in meiner abneigung also ein bisschen neid mit, zu einer spezies zu gehören, die nicht so unkonditionale liebe erfährt wie hunde und deswegen unter umständen den kürzeren ziehen würde.

der dritte grund ist simpel und zwar dass es eine billige kompensation von gefühl ist. hunde geben einem liebe sofern man sie nicht verhungern lässt und zwischendurch mit ihnen vor die tür geht und sie mal tätschelt, mit so wenig input funktionieren nicht mal sehr asymmetrische paarbeziehungen. es ist die komplette projektion mangelnder empathie hinein in zwei hechelnde augen und einen wedelnden schwanz, über die man in perverser art und weise macht besitzt.

ich finde blindenhunde super und es ist auch toll wenn alte einsame menschen einen hund haben oder wenn man auf dem land lebt und auch noch hühner hat zb, dann ist es stimmig und das tier hat irgendwie eine funktion und vor allem platz. aber großstadtexistenzen die sich einen hund anschaffen, das ist immer irgendwie komisch, mal mehr mal weniger, meistens mehr.

natürlich würde ich hunde auch lieben, wenn ich einen hätte, es ist vielleicht so wie heimwerken, man findet es peinlich bis man es selbst macht. aber mich stört so viel an dem konzept, ich kann es mir nicht vorstellen, weder heimwerken noch hunde.

 

24.04.2019

natürlich ist der klebestreifen heute morgen weg. er wäre eh spätestens durch den regen weggespült worden, der abends mit dem ersten sommergewitter des jahres durch die grünen bäume gespült wird. es regnet rauschend.

passend dazu schickt mir C. this is how you smile von helado negro, was er als sommeralbum 2019 anteasert, wahrscheinlich hat er recht.

in den letzten beiden tagen habe ich

  1. einen guten ort zum schreiben und
  2. ein café gefunden, das perfekt für warme tage ist,

beides keine 200 meter luftlinie von meiner wohnung entfernt. ich frage mich warum ich diese orte nicht schon früher für mich entdeckt habe, als ich nach der lohnarbeit (hauptsächlich schaue ich k.s augen überhalb meines bildschirms dabei zu wie sie langsam zufallen) in letzterem an einem gemüsesaft nippe und dazu eine zigarette rauche und mich die späte nachmittagssonne in angenehmem winkel anscheint. trotzdem ist die luft schon schwer und wattig, später dann regnet es rauschend.

precious

23.04.2019: precious

C. meint man müsste sich selbst und seine stimmungen rausnehmen, ichauflösung, dann würde es einfacher gehen mit dem schreiben. er hat gerade ähnliche probleme wie ich tagebuchmäßig was ins internet hineinzudreschen und es nicht eine sekunde später banal zu finden.

ich hab drüber nachgedacht, aber leider kann ich das glaube ich nicht, also die ichauflösung, weil wenn eins sicher ist, dann dass ich die dinge immer durch meine stimmungen hindurch wahrnehme und das entscheidend ist fürs aufschreiben. außerdem interessiert es mich selbst auch nicht wenn jemand nur beschreibt wie grün das gras ist ohne in die komplette synthese mit seinem inneren zu gehen schließlich sind wir hier ja in der hypermoderne und das individuum ist das EiNzigSte wAs zÄhLt

langweilig: das gras war heute leuchtend grün und kurz geschoren.

interessant: ich gehe in einem leichten anflug von vormittagseuphorie in den park wo ich mich auf eine bank draufsetze und auf das frisch gemähte gras glotze als würde es mir was erzählen. ich denke an meinen alten klassenlehrer der immer kurz geschorene haare hatte, immer dieselbe länge, wahrscheinlich hatte er eine haarschneidemaschine zuhause, ich glaube er war oft einsam.

in meiner straße klebt seit tagen ein stück klebestreifen auf dem bürgersteig, auf dem mit filzstift precious geschrieben steht, ich freue mich immer, wenn er am nächsten tag noch da klebt.

 

18.04.2019

ich kriege heute überhaupt nichts hin u.a. weil wir gestern bei einer weinprobe waren. eigentlich wollte ich erst keinen wein weil es süßer wein von der mosel war und ich meine süßer wein naja aber dann habe ich mich doch breitschlagen lassen weil der wein von einem bekannten ist und wegen gruppendynamik. es war dann auch die richtige entscheidung weil es absurd gewesen wäre in der kneipe zu sitzen ohne mitzutrinken, weil fast alle in der kneipe haben mitgemacht und nach der zweiten probe war es auch egal dass der wein süß war und dass ein anderer typ in diesem rheinland pfälzerischen dialekt wo ch und sch laute vertauscht werden relativ monoton random fakten über die weine erzählt, nach der dritten probe finde ich das richtig süß wie er da erzählt, insgesamt gab es sechs proben.

der wein war von der wirkung ein bisschen wie sekt, die stimmung also insgesamt gelöst auf so alberne art, wir waren zu viert und hatte einen richtig netten abend wie wir wohl sagen würden wenn wir 40 wären, obwohl gerade jeder auf seine art eine eher diffuse bis schwierige phase durchlebt, der rückweg hat ein bisschen an sommer erinnert. dann konnte ich aber nicht gut schlafen und wache absurder weise um kurz vor sieben auf und halte mich und die welt unausgeschlafen nur schwer aus

das wetter ist leider wunderschön und als ich durch die stadt laufe finde ich alles um mich herum so dermaßen furchtbar dass es schon lustig ist, ich komme 0 darauf klar wie alle almans plötzlich ihr eis abschlecken als wäre es ein gesetz dass man ein eis kaufen muss sobald die sonne rauskommt. insgesamt springt einen durch das klare licht alles so übertrieben schamlos an, gesichter hinter sonnenbrillen, komplementärfarbene tshirts mit kursivschrift, irgendwelche neuen läden wo dudes draußen vor rumchillen und aus pappschalen salat essen es macht mich heute alles fertig

ich kriege eine innerliche krise als eine frau mich gierig wegdrängelt bei aldi weil sie so geil ist auf den grünen spargel für 1,79€ aber selbst um dieser frau mit igelfrisur im übergroßen lila-verwaschenen shirt konfrontierend gegenüber zu treten bin ich heute zu schwach, ich beende den einkauf so schnell wie möglich und widme mich dann der letzten tagesaufgabe, die ich mir zutraue, nämlich ein restaurant zu reservieren für ostermontag. nachdem es bei dem das ich wollte nicht klappt verlässt mich jeglicher verbleibende mut und ich reserviere in einem was wirklich hässlich ist, aber einfach auf dem rückweg liegt, ich bekomme schon leichte depressionen als ich es verlasse und mir vorstelle wie wir dann da drin sitzen und über meine zukunft geredet wird wahrscheinlich. zum glück bringt mich jemand bei twitter auf eine andere idee und ich reserviere um, schöne ostertage, sagt der mann am anderen ende der leitung, ich sage gleichfalls danke und glaube ich klinge freundlich am telefon

PS ich habe diesen beitrag schon gestern eigentlich veröffentlicht aber anscheinend ist was schief gelaufen, deswegen erst jetzt ich sehe mittlerweile vieles ganz anders

16.04.2019

gestern hat notre dame gebrannt und ich hab kurz geweint, allerdings hormonell getriggert, eigentlich ist mir die kirche egal.

aus einem weirden gefühl von vielleicht kondolenzverhalten heraus und weil mir 1 tweet dazu zu dumm ist, ich mich aber trotzdem drüber austauschen will, schreibe ich p., der seit freitag wieder in paris ist, dass die bilder wirklich traurig aussehen, er findet es verrückt, schreibt er, wir telefonieren kurz und reden müde aber merkwürdig sachlich über alles.

stay sexy sagt j. jetzt manchmal zur verabschiedung, kleine momente in denen ich ihr gegenüber sowas wie verbundenheit fühle.

14.04.2019

gestern morgen gedacht: wie schön, es regnet weiße blütenblätter vom kirschbaum im nachbargarten. es war dann schnee, der sich, im weiteren verlauf des tages sturmartig und fast minütlich mit der sonne abwechselnd, genau wie die temperaturen unter 0 grad insgesamt absurd anfühlte aber auch irgendwie gemütlich und komplett passend in meinen stimmungskanon.

wie immer ist die grundfarbe auch dieses wochendes ~zuhause~ ein bisschen nostalgisch angefärbt, aber das ist wohl einfach so. ich konzentriere mich auf dinge erledigen, lesen, fernseh und ansatzweise effektive anti-pms-maßnahmen (ibu), was okay funktioniert.

heute habe ich zwischenzeitlich unverhoffte feelings des optimismus in mir, ich denke zb dass es noch viel zu sehen gibt auf der welt aber auf so wahrhaftige art.

während ich das tippe furzt der pickelige junge mir gegenüber im RE heftig, das holt mich wieder bisschen auf den westdeutschen boden der tatsachen zurück. wir befinden uns höhe duiburg hbf, wo die tatsachen im allgemeinen eindruck hinterlassen.

09.04.2019

über allem flattert heute das gefühl dass sich die welt in 1 mürrischen stimmung befindet.

den moment verpasst rauszugehen, plötzlich alles dunkel und regen. weite teile des nachmittags in deswegen unzufriedener prokrastination verbracht. immerhin bisschen gelesen und etwa eine seite geschrieben.

neben anderen dingen zuckermais im glas gekauft, die hat l. früher manchmal gehabt, ich vermisse l.

es ist ein tag an dem es mich fertigmacht wie der mann vor mir an der kasse kurz vor der verwahrlosung steht, man sieht ihm an, dass er bis vor wenigen jahren (oder monaten?) ein halbwegs geordnetes leben hatte, er bedankt sich freundlich bei der kassiererin, als sie ihm das rückgeld für seine kleine flasche schnaps gibt, die er bis zum bezahlen in seiner dreckigen hand versteckt.

entscheidungen fällen als bräuchte man dafür nur eine axt und bisschen bizeps und vielleicht ein kariertes hemd für den look, als würden entscheidungen schon rumstehen in irgendeinem wald. das tun sie nicht, es ist nur ein sehr deutsches, irgendwie peinlich maskulines sprachbild. entscheidungen fällen.

05.04.2019

ich treffe eine person, die ich über ein jahr nicht getroffen hab, das war vorgestern. wir sitzen uns im café gegenüber und fragen uns irgendwas, wie man das so macht, dann entsteht diese eine sekunde zu langes schweigen und wir müssen lachen, wahrscheinlich weil es so dumm ist wie wir da sitzen. ich glaube dieses lachen war die einzige möglichkeit, die absurdität, die wir eventuell beide den dingen gegenüber empfinden, zu artikulieren, danach reden wir weiter, aber entspannter, die leute neben uns am tisch hören zu, ich hätte uns auch zugehört.

am ende zahle ich 3,70€ für ein ikeaglas voll langweilige „traubensaftschorle“, ich rechne in d-mark um, durch den regen ein paar schritte nach hause, es ist kalt. menschen lachen und dann sind sie tot, dieser satz geht mir seit tagen nicht aus dem kopf und ich weiß nicht mehr, woher er kommt.

donald draper (ich bin wieder drin in mad men) fährt mit seiner affäre im auto richtung strand, nacht, beide komplett besoffen, sie schaut aus dem fenster und sagt seufzend wie schön das doch alles ist, der moment, er guckt geradeaus und sagt nach einer kurzen pause so weird lächelnd: i don’t feel a thing.

meine hauärztin attestiert mir über das telefon eine leichte anämi-hie, sie sagt es so flötend, es klingt wie eine sonate 19. jahrhundert, ok coo-hool, will ich zurückflöten, danke für die inf-ho.

die tage reihen sich aneinander, sind ausgefüllt oder merkwürdig schwammig, lustig und absurd, bedeutungslos und schön, wie tage eben sind.

 

 

 

31.03.2019

heute ein tag an dem ich alles schreiben könnte und gleichzeitig nichts, der fokus fehlte so vollkommen. verkaterte dünnhäutigkeit all over.

„die deutschen essen immer eis“ sagt p., wir laufen über den flohmarkt, ich bin wahnsinnig überfordert und orientierungslos, frage mich warum ich überhaupt das haus verlassen habe, man weiß ja mittlerweile ganz gut was an einem der frühen sonnigen sonntage des jahres auf einen einprasselt an menschenbildern. und dann auch noch über einen flohmarkt gehen, es grenzt eigentlich an selbstkasteiung, nur zu welchem zweck? dümmlich in die sonne blinzeln.

in der nacht wird mir nicht nur eine stunde zeit, sondern auch ein buch geklaut. das buch, was ich gerade lese und beim frühstück weiterlesen wollte. ich suche überall, finde dann einen zettel auf dem tisch, sie hofft es sei OKAY dass sie es mitgenommen hat, sie konnte nicht aufhören, ich stehe bestimmt zwei minuten nur so rum, starre auf den zettel und empfinde abneigung. wer macht denn sowas.

 

 

 

28.03 2019

das spannende an literaturveranstaltungen: sie sind das gegenteil jeder literaturwissenschaftlichen prämisse. der oder die autorIn ist nicht tot, er oder sie muss lebendig sein, muss performen, muss präsenter sein als das werk, muss geil twittern, muss irgendwas verkörpern, muss interessant sein und schlagfertig, witzig und entertainend. die werke sind am besten autobiografisch, oder zumindest autobiografisch durchsetzt. erst dann, denke ich, als sich bei der lesung gestern christoph daum an mir vorbei durch die reihe quetscht, scheint das ganze seine berechtigung zu haben. im saal riecht es abwechselnd nach fritteusenfett und schwefeligem atem, jemand hat hunger.

„in letzter zeit bin ich oft still“, sagt l. nach der lesung, wir beobachten das aus der location herauströpfelnde literaturpublikum, jetzt um eine signatur des autors reicher. „wenn jemand mit mir spricht, weiß ich einfach nicht was ich dazu sagen soll.“

26.03.2019

aus zeitvertreibsgründen laufe ich unweit der arbeit durch eine gegend dieser stadt in der ich noch nie war, frische luft, denke ich, das ist doch meistens ganz hilfreich.

nach etwa einem kilometer, der weg führt vom grüngürtel, der an dieser stelle nicht grün, sondern laut und befahren ist, weg, komme ich in etwas an, was man wohl wohngebiet nennt. menschen sehe ich nur in kombination mit ihren hunden, sie scheinen ausschließlich für ihre hunde zu existieren und rufen nach ihnen mit kindernamen, justus will nicht hören. justus. die atmosphäre in dieser gegend ist klinisch aber auf inkonsequent, alle treppenförmig gebauten häuser sind weiß, dazwischen eine straße gepflastert mit diesen platten, wie sie es eigentlich nur noch im osten gibt, hier und da liegt kinderspielzeug in vorgärten, alles wirkt wie eine mischung aus ard tatort und kaserne, wie ein versuch zu leben. ob die leute hier eher arm oder reich, alt oder jung, glücklich oder traurig sind, bleibt in der belanglosigkeit der merkwürdig charakterlosen gegend unklar.

schließlich komme ich in eine art parkanlage, die an das wohngebiet grenzt, vollkommen deplaziert steht dort ein rundes gebäude mit einer kuppel und einem brunnen in der mitte, an den seiten furchtbar hässliche plastiken von kindern. hunde würden eher passen, denke ich.

ach dem ersten weltkrieg sei das hier die mustergestaltung eines volksparks gewesen, lese ich gelangweilt auf einer infotafel, im ersten dann alles kaputt und wieder zusammengesetzt, der volkspark. dann gehe ich wieder, weil schon wieder ein hund kommt, an ihm dran seine besitzerin.

als ich später mit entsprechend trüber laune im konzertsaal sitze, der grundfarbton der frisuren um mich herum ist grauweiß, passiert etwas schönes. die musik, eine obonistin, die immer rosa anläuft beim spielen und ein streichquartett, spielen mich komplett aus der blässe des tages heraus und ich vergesse mich für eine in ihrer länge angenehme zeitspanne selbst.

25.03.2019

seit j. im eisladen um die ecke arbeitet erzählt sie mir immer unaufgefordert, wie viel geld sie gemacht haben. heute waren es 62€, gestern 1000€. alles wetterabhängig, sage ich, ich hasse mittelklasseleute, sagt j., wie immer verlaufen unserer konversationen unkohärent aber situationskomisch.

nach schleppendem weekend auf basis wiedergekehrter energie bleiben endlich wieder bilder hängen:

-regenbogen aus 17. etage

-während live radiosendung läuft im schaltraum auf einem bildschirm neben der fensterscheibe zum studio lautlos ntv, es geht vermutlich um fettiges essen und die risiken fettreicher ernährung, dynamischer schnitt, pommes, schnitt, ein großer klumpen gelbliche masse (es sah nach reinem fett aus) wird in eine fritteuse geschmissen, schnitt, menschen in patientenleibchen in einem fast food restaurant, sie essen absurd hoch gestapelte burger in der anwesenheit eines arztes, es sieht insgesamt alles widerlich aus, untermalt werden die bilder von mozart, um den geht es in der radiosendung

-bei hart aber fair geht es um klimaschutz, neben lanz und der umweltministerin ist ulf porschardt eingeladen und redet über seinen sportwagen: das auto, verbessert er die 23-jährige luisa neubauer, sei nicht postmodern, es sei modern

-das wetter, sagt claudia kleinert in ihrer abgeklärten, sicherheit vermittelnden art, bleibt noch eine weile richtig märz und es klingt, als wäre ein wetter was richtig märz ist, vollkommen selbstverständlich