30.05.2019

wir wollen eigentlich zu nobiko gehen, aber dann haben wir beide keinen hunger und trinken ein bier bei M. in der wg-küche, die zu großen teilen aus leergut besteht. ich fühle mich auf subtile weise alt, also nicht so richtig, aber ich denke dass es nicht mehr lange dauert bis ich mich in solchen wg-küchen alt fühlen werde.
es ist feiertag, ein donnerstag mit sonntagsallüren, wattige, graue wolken verkleben den himmel, nehmen ihm seine weite, die stimmung ist niedergeschlagen: „an so einem tag kann man sich garnicht gut fühlen“, sagt M. und deutet durch das schmutzige oberlicht des küchenfensters dahin, wo sie die wolken vermutet. ich finde das erst bisschen platt, also schlechtes wetter gleich schlechte laune, aber heute ist es wohl einfach so, der tag lässt in seiner ganzen machart keinen raum für positivität, ich stimme zu, draußen besaufen sich männergruppen.

im anschluss laufen wir noch ein bisschen durch kalk und reden, irgendwann kommt die sonne raus, als wir uns verabschieden sagen wir beide dass es uns besser geht als vorher und meinen es. auf dem nachhauseweg riecht es an überdurchschnittlich vielen stellen der in flieder-blau-oranges abendlicht getauchten stadt nach nudelgerichten mit tomatensauce, zum schluss kämpft sich der tag nochmal raus aus seiner lethargischen mattheit, sowas denke ich und laufe ein paar extrarunden weil ich so lust habe auf laufen und musik.

28.05.2019

friseurbesuch: 30€

brita wasserfilter: 16,99€

staubsaugerbeutel compact (4): 10,99€

glühbirne led „warm glow“: 7,99€

diverse einkäufe: 10€

ein schönes wochenende: finanziert den investitionsreichen wochenstart.

draußen fallen die blätter von den ahornbäumen als wäre herbst, sie sind immernoch lädiert vom letzen sommer, abgepellte, nackte stämme.

parallel dazu spielen wir die erste runde tischtennis des jahres.

25.05.2019

erkältung und exegese, alles schmeckt seit tagen nach einer mischung aus nichts und träne. über eine treffende beschreibung meines derzeitigen und eigentlich auch eh irgendwie konstanten lebensgefühls stolpere (was für eine komische wendung, aber ja) ich in einem wissenschaftlichen aufsatz über digitale dissoziation. darin wird luhmann zitiert, der kleine freak, er benennt den „entgrenzten menschen“ und bezieht sich damit sogar noch auf prädigitale zeiten.

vor ein paar tagen laufe ich durchs viertel und kann mich für kein café entscheiden (klassisches überangebot der möglichkeiten), als ich dann endlich in einem sitze lese ich also von diesem entgrenzten menschen, dessen durch den wahnsinn der moderne eh schon durch und durch kontingentes leben durch die digitalisierung noch potenziert würde, digitalisierungsbedingte subjektspaltung so heißt es an einer stelle, ich fühle das, denke ich, am selben tag zerstört youtuber rezo die cdu und auch sonst überschlagen sich kurz vor der europawahl medial die eher erfreulichen ereignisse.
tyler, the creator bringt die geschehnisse des gestrigen tages mit einem tweet maximal poetisch auf den punkt: theresas gone, i’m back.

hinter mir im café erklärt eine junge frau mit lautem organ warum sie wifey material ist, „lol“ kommentieren zwischendurch ihre freundInnen.

20.05.2019

begonnen hat das hier aus einer klebrigen, sentimentalen schwulität, nämlich der sehnsucht danach, die tage nicht einfach so vorbeiziehen zu lassen, sondern zu versuchen etwas kleines in jedem festzuhalten, durch ein paar sätze. es stellt sich heraus dass das nicht ganz funktioniert: es sind zum einen einfach tage dabei, die eben so vorüberziehen, ohne, dass es möglich wäre, die fülle der gedanken oder des geschehens in ihnen mithilfe von worten zu filtern. noch häufiger ist es so, dass einfach nichts passiert, dem man genug bedeutung schenkt, um es aufzuschreiben. und am häufigsten, wie C. es hier sehr präzise macht, ist man selbst einfach nicht in der lage zu schreiben. das hat dann unterschiedliche gründe, bei mir ist es oft die blanke angst, in einen larmoyanten pathossumpf zu rutschen oder es kommt einem alles zu banal vor oder man hat nebel im hirn und findet keinen fokus, so wie heute.

am wochenende beobachte ich aus dem augenwinkel wie österreich brennt, sonst gucke ich in sattgrüne bäume, die westdeutschland so prall wirken lassen, gut genährt, festlich gekleidet; in diverse gesichter, unterschiedliche bildschirme und weniger bücher als geplant. der regen fühlt sich durchweg richtig an.

heute fahre ich zurück nach köln und finde vieles was auf der strecke durch das pulsierende bundesland nordrhein-westfalen in mein blick-, geruchs- und hörfeld gelangt überdurchschnittlich belastend.

15.05.2019: futuristisch

wenn man lust darauf hat, sich mit einer wissenschaftlichen arbeit die laune zu verderben, dann sollte man sich mit dem italienischen futurismus beschäftigen. es ist eigentlich krass, dass leute dauernd irgendwas „futuristisch“ finden, weil das auf nichts anderes verweist als auf eine faschistische, kriegsverherrlichende, misogyne kunstbewegung:

Wir wollen den Krieg verherrlichen — diese einzige Hygiene der Welt -, den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die schönen Ideen, für die man stirbt, und die Verachtung des Weibes.

steht es sehr eindeutig als neunter punkt in marinettis futuristischem manifest. die arbeit ist heute ins fach des dozenten geglitten, ich habe danach lust mir die hände zu waschen. das buch, über das ich geschrieben habe, war ein lieblingsschmöker hitlers, das lese ich erst vor ein paar tagen irgendwo, es macht sinn, der text ist in erster linie aggressiv menschenverachtend.

aufatmend betrete ich den vollen innenhof der universität, es ist dies academicus und studierende wuseln rum, verkaufen kuchen für den klimaschutz, ich merke dass ich jetzt schon mehr sentimentale erinnerungen an diesen ort habe als gegenwärtige empfindungen, die sonne teilt die pflastersteine geradlinig in licht und schatten.

14.05.2019: oktober

es ist ein licht wie im italienurlaub, nur ca 20 grad kälter. der stimmung in der kölner südstadt tut das keinen abbruch, sie ist wie immer jovial und dekadent sobald es irgendwie sonne gibt. ich laufe über den tag verteilt auf basis diverser erledigungen und später aus einfacher spazierlust im viertel herum und schau zu wie die akademikerpärchen in decken eingemummelt an ihrem rotwein nippen, ich fühle mich wie immer auf distanz dazu und heute gleichzeitig mit allem im einklang, rein atmosphärisch könnte es auch ein früher oktobertag sein.
zum mittagessen werde ich spontan zum eingeladen, es schmeckt gut, wir sitzen draußen, man kann sich schwer anschauen weil das licht so italienmäßig sticht. es ist wirklich superschön hier, sagt eine am tisch, ja, sage ich, fragend und feststellend gleichzeitig, und blinzel in den absurd blauen himmel.

13.05.2019: ein wochenende

am freitagabend sitzen wir zu dritt vor drei gemüsesäften, sie leuchten gesund in weiß, orange und rot. es besteht nicht die geringste motivation etwas anderes zu trinken und den abend in irgendetwas zu transformieren außer gemüsesaft trinken und nach hause gehen. ich denke kurz dass wir wohl wirklich stark auf ende zwanzig zugehen und langweilig werden, aber alle sind happy damit, mhh machen wir, weil der gemüsesaft schmeckt, dann reden wir so und gehen nach hause.

ausgeschlafener samstagmorgen, vergessen was sonst war, aber war ausgeschlafen. nachmittags den immer seltener werdenden reflex gehabt etwas zu kaufen, zu shoppen. ich gehe aus einer weirden laune heraus in die innenstadt und weiß dass es eine schlechte idee ist. es ist die erwartete spätkapitalistische hölle, ich kaufe zwei platten und gehe schnell wieder.

männer mit hüten, weißweinschorle, laute monitorbox, ausmisten, twitter, europa, 4 to the floor laune, piroggen bei C. ist das, was vom restsamstag und dem darauf folgenden sonntag hängen geblieben ist.

der beste satz dieser tage kommt aus die stunde zwischen frau und gitarre von clemens setz, an dem ich aufrund seiner länge jetzt schon so lange lese, dass es zum ritual geworden ist, vor dem einschlafen ein paar seiten aus dem leben von nathalie, bibelartig, es ist wirklich viel zu lang aber dadurch so schön meditativ, es wird bestimmt komisch wenn ich das buch ausgelesen hab:

manchmal schien es ihr, als wäre die ganze tragik des lebens in der tatsache versammelt, dass man sich nicht selbst kitzeln konnte.

 

man könnt mit einer kleinigkeit/
die alberne zufriedenheit/ 
noch heute reduzieren

läuft dazu als ohrwurm

08.05.2019: kommunikation

rainy days. ich höre ungewollter weise das gespräch von zwei frauen mit, beide ungefähr mitte dreißig, sie kommen in die bahn und bringen den geruch von feuchtem haarsprayhaar mit. die eine schließt umständlich ihren triefenden regenschirm, die andere stellt ihren in einer selbstbewussten geste offen in den türbereich.

es geht darum dass sich die eine gestern von ihrem freund getrennt hat und er jetzt noch sachen bei ihr hat. was das denn für sachen wären, fragt die andere in einem tonfall, als würde sie sich nach dem wochenende der anderen erkundigen, ihre haarfarbe würde man als kupferfarbend bezeichnen wenn man es gut mit ihr meint, in wahrheit ist es straßenköterblond mit orangestich, es hebt sich farblich kaum von ihrem gesicht ab, sie verschränkt die arme. seine playstation, zählt die andere auf, man sieht ihr an dass es ihr nicht gut geht, seine filme, seine senseomaschine, trotz ihrer traurigkeit könnte sie auch ihre einkaufsliste ablesen oder ein kinoprogramm, es würde keinen unterschied machen. die andere nickt und macht pragmatisch mh-mh, sie pustet sich so von unten ihre mattorangenen strähnen aus der stirn. in der konversation ist so viel empathie vorhanden wie in einem telefongespräch mit dem kundenservice von o2. um die regenschirme bilden sich kleine pfützen auf dem bahnboden, das bahnfenster lässt die schönhauser straße stehen.

zuhause schließe ich ein audible abo ab um den podcast von rocko schamoni und gereon klug zu hören und bin fast ein bisschen traurig darüber dass es so unlustig und lahm ist was sie da reden. ich kündige das abo direkt wieder.

wenige leute sind kompatibel, um zwischenmenschlich miteinander zu kommunizieren, noch weniger, um das mit worten zu tun.

06.05.2019: unter leuten

es ist frühes c/o pop festival in köln und im verlauf eines tages wechselt fünf mal die jahreszeit. ehrenfeld. am samstag stehen studentInnen mit weißen schuhen, die an popkultur und konzerten interessiert sind in einer schlange die sich vom bürgerzentrum bis zum kebapland zieht, es sind viele dudes da die häufig digga sagen. an einem kiosk gibt es aperol spritz zu kaufen, die stimmung ist insgesamt aufgekratzt, ephemer und hip-neoliberal. wir schaffen ein konzert und suchen dann bei l. zuflucht vor der masse.

paris london tokyo ehrenfeld, an einem stand der t-shirts mit diesem aufdruck verkauft, laufen wir gestern auf dem weg zum wirklich guten konzert von h. vorbei. hier, auf der heliosstraße, ist eine art market aufgebaut, man kann wieder aperol spritz trinken und dazu, berieselt von zur szenerie passendem, belanglosem funky house, für den natürlich ein dj engagiert wurde, schmuck kaufen, der aussieht wie von instagram persönlich designed. ich kaufe einen ring.

nach dem konzert essen wir bei l. seine selbstgemachten maultaschen und reden über diverses, zum einschlafen höre ich sean paul.

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03.05.2019

draußen ist plötzlich alles ganz grün und buschig geworden, die natur hat sich aufgeplustert.

auf dem rückweg von S. ausstellungseröffnung im bonner kunstverein versuche ich festzustellen wie es in der bahn riecht, es riecht nach bahn und ein bisschen nach nassem boden.

ein teil der ausstellung, die sich mit duft auseinandersetzt, ist ein dufttagebuch, es liegt neben anderen texten und zeichnungen auf einem langen tisch, der in einem riesigen raum gefüllt mit schlechter luft steht, über den sich interessierte besucherInnen beugen.

eine abgeranzte matratze auszustellen (S. teilt sich die riesigen räume mit noch einem künstler, der das tut) denke ich zwischendurch, ist in etwa so wie wenn man 2019 zenit – waitin‘ in einen mix packt. vielleicht schon wieder geil.

für eine vernissage wirkt die stimmung fast gelöst, es gibt aber auch wein und bier for free und irgendwann gibt es sogar pizza, aber selbst dafür sind wir heute alle zu müde und gehen dann nach hause.

das allermeiste, das denke ich heute morgen und allgemein die letzten tage, macht man nur, damit etwas passiert.

01.05.2019

viel zu früh am morgen höre ich seit langem wieder deutschlandfunk. es läuft eine wiederholung über lucius burckhardt, der die promenadologie erfunden hat, spaziergangswissenschaft. es ist funny, weil ich dabei meinen fuß mit einer packung tiefkühlbeeren kühle, das gelenk ist dick und adrig, es pocht. der fuß ist umgeknickt als ich ein paar stunden zuvor ehrenlos zur bahn sprinte, wir wollen weg aus der stegerwaldsiedlung, wo man in den mai rauchen, reden, tanzen konnte.

in der küche riecht es nach voltaren und den eingelegten oliven vom vorabend, im radio geht es jetzt um flanieren in paris, ich fühle mich schwach und übernächtigt, meine mutter sagt mir den fachbegriff für überdehnung am telefon und dass voltaren falsch ist, ich bin in gedanken noch beim spazierengehen, finde die vorstellung unbefriedigend, dass ich heute nicht spazieren kann und hole erstmal bisschen schlaf nach.

danach sieht alles etwas angenehmer aus, auch der fuß hat sich erholt und ein bisschen spazieren ist drin, die luft ist rein, ihr geruch nordisch-frisch, wir spazieren zum rhein, es sind viele menschen aber erstaunlich wenige hunde dort, ich frage mich wie oft ich wohl schon an dieser promenade saß wo wir dann sitzen und mit wem, schiffe fahren vorbei, ein paar leute hören laut 50 cent und nehmen der szenerie damit jede ernsthaftigkeit.

zum verfrühten c/o pop festival spielen scooter heute im palladium und während ich versuche darüber einen tweet zu schreiben fällt mir auf dass ich eigentlich keine richtige meinung hab dazu

 

29.04.2019: hunde

heute vermehrt darüber nachgedacht warum ich hundehaltung nicht mag und damit meine ich nicht hunde an sich, hunde sind normale tiere mit ihren naturgegebenen hundespezifischen eigenschaften, die insgesamt ok sind.

was ich meine ist der umstand wie menschen mit hunden sind, also herrchen und frauchen mit ihrem haustier und die tatsache dass wenn ich spazieren gehe ich immer das gefühl habe dass menschen ohne hund gar nicht mehr existieren. ich komme mir fast ausgeschlossen vor auf der straße, weil ich zur minderheit gehöre ohne leine zum dran festhalten und ein tier was mir zuhechelt. das bild von der/dem hundehalterIn die/der stehen bleiben muss weil das tier pinkelt oder kackt und in letzterem fall holen sie dann diese orangenen tütchen raus und dann gucke ich immer weg weil es schon eigentlich abartig ist, ich frage mich immer ob es dann noch so warm ist in der hand? wahrscheinlich hat meine aversion diverse gründe, mir fallen spontan drei ein:

erstens die soziale prägung, familienintern hatten wir nie einen hund, meine mutter hat übertrieben angst vor hunden und von meinem vater ging auch eher skepsis ihnen gegenüber aus, er hat das nie gesagt, aber ich habe das gespürt, ich glaube er ist eher der katzentyp.

der zweite grund ist dass ich mir sicher bin dass sich die meisten hundehalter denen ich entgegen komme ohne zu zögern gegen mich entscheiden würden. wenn es plötzlich, bei einem abendlichen spaziergang, zur apokalypse käme und der asphalt bröckeln würde in einer straße in der nur 1 herrchen mit seinem hund spazieren geht und ich; wenn also unter uns die hölle aufgehen würde und wir uns auf die letzte laterne retten müssten, die aber nur ein bestimmtes gewicht hält, dann würden die meisten hundehalter sich selbst retten und den hund und mich ohne zu überlegen runter in die heiße lava schubsen, da bin ich mir sicher. hundehaltermenschen lieben ihren hund in den meisten fällen mehr als andere menschen, man spürt es. wahrscheinlich summt in meiner abneigung also ein bisschen neid mit, zu einer spezies zu gehören, die nicht so unkonditionale liebe erfährt wie hunde und deswegen unter umständen den kürzeren ziehen würde.

der dritte grund ist simpel und zwar dass es eine billige kompensation von gefühl ist. hunde geben einem liebe sofern man sie nicht verhungern lässt und zwischendurch mit ihnen vor die tür geht und sie mal tätschelt, mit so wenig input funktionieren nicht mal sehr asymmetrische paarbeziehungen. es ist die komplette projektion mangelnder empathie hinein in zwei hechelnde augen und einen wedelnden schwanz, über die man in perverser art und weise macht besitzt.

ich finde blindenhunde super und es ist auch toll wenn alte einsame menschen einen hund haben oder wenn man auf dem land lebt und auch noch hühner hat zb, dann ist es stimmig und das tier hat irgendwie eine funktion und vor allem platz. aber großstadtexistenzen die sich einen hund anschaffen, das ist immer irgendwie komisch, mal mehr mal weniger, meistens mehr.

natürlich würde ich hunde auch lieben, wenn ich einen hätte, es ist vielleicht so wie heimwerken, man findet es peinlich bis man es selbst macht. aber mich stört so viel an dem konzept, ich kann es mir nicht vorstellen, weder heimwerken noch hunde.

 

24.04.2019

natürlich ist der klebestreifen heute morgen weg. er wäre eh spätestens durch den regen weggespült worden, der abends mit dem ersten sommergewitter des jahres durch die grünen bäume gespült wird. es regnet rauschend.

passend dazu schickt mir C. this is how you smile von helado negro, was er als sommeralbum 2019 anteasert, wahrscheinlich hat er recht.

in den letzten beiden tagen habe ich

  1. einen guten ort zum schreiben und
  2. ein café gefunden, das perfekt für warme tage ist,

beides keine 200 meter luftlinie von meiner wohnung entfernt. ich frage mich warum ich diese orte nicht schon früher für mich entdeckt habe, als ich nach der lohnarbeit (hauptsächlich schaue ich k.s augen überhalb meines bildschirms dabei zu wie sie langsam zufallen) in letzterem an einem gemüsesaft nippe und dazu eine zigarette rauche und mich die späte nachmittagssonne in angenehmem winkel anscheint. trotzdem ist die luft schon schwer und wattig, später dann regnet es rauschend.

precious

23.04.2019: precious

C. meint man müsste sich selbst und seine stimmungen rausnehmen, ichauflösung, dann würde es einfacher gehen mit dem schreiben. er hat gerade ähnliche probleme wie ich tagebuchmäßig was ins internet hineinzudreschen und es nicht eine sekunde später banal zu finden.

ich hab drüber nachgedacht, aber leider kann ich das glaube ich nicht, also die ichauflösung, weil wenn eins sicher ist, dann dass ich die dinge immer durch meine stimmungen hindurch wahrnehme und das entscheidend ist fürs aufschreiben. außerdem interessiert es mich selbst auch nicht wenn jemand nur beschreibt wie grün das gras ist ohne in die komplette synthese mit seinem inneren zu gehen schließlich sind wir hier ja in der hypermoderne und das individuum ist das EiNzigSte wAs zÄhLt

langweilig: das gras war heute leuchtend grün und kurz geschoren.

interessant: ich gehe in einem leichten anflug von vormittagseuphorie in den park wo ich mich auf eine bank draufsetze und auf das frisch gemähte gras glotze als würde es mir was erzählen. ich denke an meinen alten klassenlehrer der immer kurz geschorene haare hatte, immer dieselbe länge, wahrscheinlich hatte er eine haarschneidemaschine zuhause, ich glaube er war oft einsam.

in meiner straße klebt seit tagen ein stück klebestreifen auf dem bürgersteig, auf dem mit filzstift precious geschrieben steht, ich freue mich immer, wenn er am nächsten tag noch da klebt.

 

18.04.2019

ich kriege heute überhaupt nichts hin u.a. weil wir gestern bei einer weinprobe waren. eigentlich wollte ich erst keinen wein weil es süßer wein von der mosel war und ich meine süßer wein naja aber dann habe ich mich doch breitschlagen lassen weil der wein von einem bekannten ist und wegen gruppendynamik. es war dann auch die richtige entscheidung weil es absurd gewesen wäre in der kneipe zu sitzen ohne mitzutrinken, weil fast alle in der kneipe haben mitgemacht und nach der zweiten probe war es auch egal dass der wein süß war und dass ein anderer typ in diesem rheinland pfälzerischen dialekt wo ch und sch laute vertauscht werden relativ monoton random fakten über die weine erzählt, nach der dritten probe finde ich das richtig süß wie er da erzählt, insgesamt gab es sechs proben.

der wein war von der wirkung ein bisschen wie sekt, die stimmung also insgesamt gelöst auf so alberne art, wir waren zu viert und hatte einen richtig netten abend wie wir wohl sagen würden wenn wir 40 wären, obwohl gerade jeder auf seine art eine eher diffuse bis schwierige phase durchlebt, der rückweg hat ein bisschen an sommer erinnert. dann konnte ich aber nicht gut schlafen und wache absurder weise um kurz vor sieben auf und halte mich und die welt unausgeschlafen nur schwer aus

das wetter ist leider wunderschön und als ich durch die stadt laufe finde ich alles um mich herum so dermaßen furchtbar dass es schon lustig ist, ich komme 0 darauf klar wie alle almans plötzlich ihr eis abschlecken als wäre es ein gesetz dass man ein eis kaufen muss sobald die sonne rauskommt. insgesamt springt einen durch das klare licht alles so übertrieben schamlos an, gesichter hinter sonnenbrillen, komplementärfarbene tshirts mit kursivschrift, irgendwelche neuen läden wo dudes draußen vor rumchillen und aus pappschalen salat essen es macht mich heute alles fertig

ich kriege eine innerliche krise als eine frau mich gierig wegdrängelt bei aldi weil sie so geil ist auf den grünen spargel für 1,79€ aber selbst um dieser frau mit igelfrisur im übergroßen lila-verwaschenen shirt konfrontierend gegenüber zu treten bin ich heute zu schwach, ich beende den einkauf so schnell wie möglich und widme mich dann der letzten tagesaufgabe, die ich mir zutraue, nämlich ein restaurant zu reservieren für ostermontag. nachdem es bei dem das ich wollte nicht klappt verlässt mich jeglicher verbleibende mut und ich reserviere in einem was wirklich hässlich ist, aber einfach auf dem rückweg liegt, ich bekomme schon leichte depressionen als ich es verlasse und mir vorstelle wie wir dann da drin sitzen und über meine zukunft geredet wird wahrscheinlich. zum glück bringt mich jemand bei twitter auf eine andere idee und ich reserviere um, schöne ostertage, sagt der mann am anderen ende der leitung, ich sage gleichfalls danke und glaube ich klinge freundlich am telefon

PS ich habe diesen beitrag schon gestern eigentlich veröffentlicht aber anscheinend ist was schief gelaufen, deswegen erst jetzt ich sehe mittlerweile vieles ganz anders