04.03.2019

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das steht in der zeile zum bearbeiten hier obendrüber

vor dem karnevalsumzug ist fast noch komischer als danach hab ich heute morgen gegen halb neun auf der bonner straße gedacht als mir ein gartenzwerg entgegenkam der irgendwie afd an der mütze stehen hatte wahrscheinlich aus kritischen gründen

03.03.2019

ich besuche meine oma und merke zu trockenem mamorkuchen wie ich ein kleines bisschen neidisch bin auf ihr ruhiges, abgesichertes dasein in dem nicht mehr so viel passiert außer mal trockener mamorkuchen mit müder enkelin.

hätte morgen gerne keine termine.

wahrscheinlich gibt es wirklich nur drei wege aus der belanglosigkeit, denke ich auf rückweg in karnevalsgebiet: entweder es ist einem alles egal und man zelebriert es mit allem nötigen hedonismus um zumindest ein bisschen bedeutung aus dem ganzen rauszukratzen oder es ist einem alles egal und man kompensiert es indem man eine vermeintlich bedeutungsstiftende existenz anstrebt, die ausufernden hedonismus ausschließt.

oder man schafft es ohne die beiden extreme geile kunst zu machen die irgendwie all das abbildet und dazu hat man am besten zeit, mut und reiche eltern.

02.03.2019

wenn ich phasenweise die anwesenheit lebensverkürzender faktoren (alkohol, zigaretten, nachtleben, smartphone) eliminiere bzw. reduziere, singe ich mehr unter der dusche.

konnte das interview nicht zuende gucken, weil es dann doch zu eklig auf hippes junges kulturmagazin gemacht ist, interviewerin und leadsänger stehen irgendwann so instagram-ready mit wehenden traningsjacken auf einem basketballplatz in wahrscheinlich kreuzberg, es war too much. es werden trotzdem paar gute dinge gesagt.

obwohl ich energetisch in den tag komme erschlafft am frühen nachmittag alles und ich finde es auch ganz ok den restlichen samstag unproduktiv wegzudämmern, uterus geht vor. draußen plötzlich wieder weit entfernt von frühling.

01.03.2019: dortmund

manchmal denke ich, man könnte ja vielleicht, irgendwann, unter ganz bestimmten umständen, eventuell wieder herziehen, aber am ende bin ich immer nur beeindruckt von der desillusionierenden einfachheit dieser stadt und weiß eigentlich, dass ich auf dauer nicht damit umgehen könnte.

um 17 uhr mit M. in der innenstadt verabredet, in der bahn ist es unangenehm still und mindestens drei fahrgäste nuckeln abwesend an bierflaschen, es riecht nach diesen bierflaschen, alter zeitung und tristesse.

den einzigen kontrast zur absolut nichtssagenden city bietet dann leider eine kirmes, es ist laut und grell und lässt alles nur noch ein bisschen hilfloser wirken. mitleid ist das gefühl, das in mir aufkommt, als wir schließlich im integrierten café einer große buchhandlung sitzen, weil es der einzige ort ist, der mir einfällt, um hier irgendwo zu sein. aus den bodentiefen fenstern hat man einen schönen blick aufs riesenrad, dessen hektisch neonfarbenes blinken so fehlalamiert wirkt mit den menschenleeren gondeln

auf dem rückweg durch die fußgängerzone schnappe ich sätze auf, die hängenbleiben

„hab ich dir erzählt wie ich letztens magdalena gedisst hab“

„da ist doch schon wieder so ein homosexueller“

„bruder deine schwester soll sich ficken“

und die ich poetischer finde als jeden absatz, den ich in der buchhandlung aus dirk von lowtzows aus dem dachsbau überflogen habe. dirk.

michel houellebecqs serotonin hab ich hinten in die hose geklemmt, als ich ohne licht zurückfahrradfahre durch kalte vorstadt, hasse ein bisschen den literaturbetrieb und muss grinsen, weil es irgendwie absurd ist so mit serotonin am arsch und hauptsächlich weil ich gut drauf bin.

 

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28.02.2019

youtube spült mir vormittags auf algorithmusbasis ein langes interview mit leadsänger der band bilderbuch in den bildschirm, ich klicke play. auf social media bezogen sagt er ab minute 23:00 dass er sich manchmal nicht spürt wenn er auf seinem roller sitzt und an einem wunderschönen tag durch wien fährt. kein wind im gesicht.

solange man etwas fühlt während man durch die welt geht, sagt er, habe man eigentlich schon die basis für ein friedvolles leben in dieser gesellschaft geschaffen.

ich fühle diese sätze so stark dass ich daraufhin sofort das video pausiere, alle umliegenden endgeräte zuklappe oder ausschalte, auf romantisch in den nächsten wald gehe, rumgucke und aufatme, weil ich fühle und zwar positiv.

am nachmittag mit p’s mädchen-fußball-ag fußball gespielt. in der vorstellungsrunde stellen sich alle mit vornamen und alter vor, außerdem sagt jede stolz, wo sie oder ihre familie herkommt. ich finde das aus meiner politisch korrekten herkunft-egal-no-nation-no-border-bubble heraus betrachtet ultra entspannt und frage mich während der folgenden stunde (wir üben passen und stoppen) mehrmals, ob kinder lauter und unruhiger geworden sind oder ich einfach richtig unangenehm alt.

das interview guck ich vielleicht morgen zuende

27.02.2019

schon der anblick dieser babyblauen stehpissoirs überall ist mir genug karneval.

in einen anderen zug, diesmal richtung westen. nach kurzer zeit handyakku leer, keine lademöglichkeit, ein bisschen freu ich mich drüber sogar. die nächsten ca drei stunden wahrscheinlich die bisher intensivste me-time dieses jahr.

wenn die untergehende sonne aus zugfenster heraus an den mit irgendeinem klebeband fixierten fensterscheiben an duisburg hbf vorbeizieht und es aufblitzend orange blendet, ist das auf ehrliche weise romantischer als alles, was gestern in paris an mir vorbeigezogen ist.

26.02.2019

das erste mal um 05:20 uhr wachgeworden und zum kaffee laut talk talk – the colour of spring gehört. vier stunden später gutgelaunt in pünktlichen tgv gestiegen, mittagessen an der seine, paris warm und die leute mild drauf. 10000 schritte von gare de lyon bis gare du nord, ziel erreicht, sagt mir mein handy, als ich etwas zittrig das ziel erreiche.

im zug nach köln dann zwei menschen neben mir, die mit so deutscher distanz auf passiv aggressiver basis miteinander geredet haben, ich hab sie für verhasste geschwister oder eher noch arbeitskollegen gehalten. dann kurz nach brüssel lehnt er plötzlich seinen kopf an sie, ich dachte erst hä, aber anscheinend waren sie ein paar.

the colour of spring heute rot und pink, wie die sitze im thalys, die sich komischerweise nicht beißen.

25.02.2019

gefühle der unruhe in mir seit gestern und sie gehen nicht weg. das ist dumm weil ich eigentlich hauptsächlich ruhen wollte hier und jetzt fahre ich morgen wieder und fühle mich eher unruhig.

durch diese gefühle konnte ich auch den besuch nur so mittel appreciaten, es war eigentlich alles schön und dann sitzen wir heute in so einem bistro und trinken irgendeinen frisch gepressten saft und es ist die situation wo man normalerweise entspannt so sitzt und trinkt und nickt und redet aber mir kam alles wahnsinnig banal vor und im ganzen sehr anstrengend.

sonst noch ein bisschen über sprache nachgedacht und wiederholt gemerkt dass ich bei texten, die mit häufiger verwendung von wörtern wie zb „dies“, „obschon“ oder „doch“ statt „aber“ arbeiten und in diesem speziellen altväterlichem duktus eigentlich ausschließlich von männern geschrieben werden, prinzipiell sofort aussteige. wem wollen sie damit genau einen runterholen, außer ihren versteiften egos?

24.02.2019

anna-rita kommt aus marseille mit viel zu reden. viel redend halbwarme falafel in einem libanesischen resto gegessen wo wir mit ausnahme von 3 unterschiedlichen lieferantenboys 3 unterschiedlicher lieferdienste lange zeit die einzigen gäste waren.

der urlaub geht vorbei und ich habe dazu, wie insgesamt zu allem heute, keine richtige meinung.

23.02.2o19

wie in jeder stadt ist es samstags auch hier vor allem eins: zu voll. das ungute getümmel wird gesteigert durch die gelbwestenmasse, die auf dem place de la comédie lang und laut gegen? etwas protestiert. die atmosphäre reicht von aufgepeitscht über fadenscheinig bis beklemmend, unterschiedliche fahnen werden geschwungen: peace and love, trikolore, noch mehr trikolore, eine mit einem hund drauf, man weiß nicht wofür oder wogegen, hier ist alles dabei. schutzraum plattenladen.

als ich mich wieder raustraue sehe ich plakate, die sie überall an die wände geklebt haben, schwarze schrift auf weißem untergrund. ein sehr normal bis gepflegt aussehender typ streicht fast liebevoll eine falte des noch feuchten papiers glatt. „ni patron – ni macron“ steht da. zuhause lese ich, dass es auch versionen gibt, die „ni le pen, ni macron, ni patrie, ni patron“ heißen, die kompromissbereitschaft schwankt.

auf dem heimweg durch ruhigere straßen riecht alles ein bisschen nach nudelwasser, noch so ein samstagsding.

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