31.12.2019

was dieses projekt vor allem zeigt, ist, dass man sich verändert.

vor ziemlich genau einem jahr haben C. und ich einen neujahrsspaziergang gemacht am rhein und er hat dann erzählt dass er diesen tagebuchblog schreiben will und ich dachte achja cool warum denn nicht. regelmäßig schreiben abseits vom beruflichen texten, wissenschaftlichen schreiben oder twittertempo. also haben wir beide angefangen und es war zwischenzeitlich sogar erkenntnisreich und nützlich, man lässt den tag revue passieren und kann 0,0000001% des erlebten, gedachten, gesprochenen für eine handvoll leser*innen mit bedeutung aufladen. irgendwann macht man eine lesung und es sprechen einen vielleicht leute an und die besucher*innenzahlen steigen und man freut sich.

allerdings ist es wichtig dranzubleiben, das habe ich schnell gemerkt. wenn man nicht mehrmals die woche schreibt häuft sich zu viel an und es ist –  wie beim normalen literarischen schreiben – so, dass man dann vor dem worddokument sitzt und es ist viel zu viel und zu wenig gleichzeitig und die banalität ist nicht auszuhalten weil man nicht weiß, was man denn eigentlich erzählen soll und warum überhaupt.

das ganze ist außerdem (so wie alles was man tut, aber dann eben textlich manifest) sehr might-delete-later-esk, also extrem abhängig von stimmungen, die man im nachhinein bereuen könnte. ich habe kürzlich thomas melle – die welt im rücken inhaliert und es ist mir über letzteren immer ein kalter schauer gelaufen, wenn er von seinem blog berichtet, den er in manischen phasen für die artikulation seiner krankheitsbedingt hyperventilierenden gedankengänge  nutzt. nicht, dass ein vergleich angemessen wäre, aber ein irgendwie narzisstisches mitteilungsbedürfnis klebt schon an der ganzen sache, die man dann entweder zu einem buch oder zu geld und im besten fall zu beidem machen sollte oder auf seinem twitteraccount kanalisieren kann, da macht es karrieretechnisch gesehen einfach mehr sinn.

um die schwere rauszunehmen, das pathos zu umgehen, das dieses ~schreiben~ immer irgendwie mit sich bringt, dafür ist ein tagebuchblog projekt also wahrscheinlich nicht die allerbeste sache. jedenfalls würde ich, würde C. mir morgen beim neujahrsspaziergang von seiner idee erzählen, wahrscheinlich sagen ja mach mal, ich freu mich drauf, und mich zurücklehnen.

das heißt nicht, dass ich nichts mehr schreibe, aber im nächsten jahr erstmal an anderer stelle. danke fürs mitlesen und happy 2020.

 

 

5 Kommentare zu „31.12.2019

  1. wie du weisst, mochte ich das tempo hier, auch wenn es unregelmäßig wurde. ich war immer hyped deine zeilen zu verschlingen, leise spannend, ur komisch und wirr schön, wie deine musikauswahl. freu mich drauf dich wieder zu lesen, carla, egal wo.

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