06.09.2019: die neue melancholie

als hätten sie sich verabredet setzt zeitgleich mit september auf allen ebenen der herbst ein und es ist wieder möglich normal zu denken. im gegensatz zu früheren jahreszeitenwechseln fällt mir auf, dass ich nicht mehr melancholisch sein will, ich finde melancholie mittlerweile nur noch unangenehm; so ein deutsches, mit bedeutung aufgeladenes gefühlsding, nachdenklich sein im sepiafilter. ein exfreund hat mal zu mir gesagt ich sei melancholisch weil ich mich nicht mit dem gegenwärtigen moment auseinandersetzen will, damals habe ich relativ vehement behauptet dass das überhaupt nicht stimme und mich angegriffen gefühlt, es war beim frühstück, eigentlich wusste ich dass er recht hat.

nach einem vergleichsweise schönen august vor worddokumenten oder im garten bin ich unerwartet gerne zurück in köln und mache und gucke und seufze auch heimlich, freue mich auf gemütlichkeit, kaufe auflaufformen, aber immer wenn es melancholisch werden könnte passiert irgendwas, weil irgendwas ist immer, termineterminetermine, aber darüber solllte man sich nicht beschweren, beschweren ist out. stattdessen redet man mit freund*innen darüber wer denn eigentlich privilegierter ist und zelebriert dankbarkeit in fast evangelischem habitus, alle sind jetzt immer dankbar über ihr geiles großstädtisches leben in überteuerten altbauwohnungen, vielleicht ist dankbarkeit das neue deutsche gefühl, die neue melancholie.

 

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