08.05.2019: kommunikation

rainy days. ich höre ungewollter weise das gespräch von zwei frauen mit, beide ungefähr mitte dreißig, sie kommen in die bahn und bringen den geruch von feuchtem haarsprayhaar mit. die eine schließt umständlich ihren triefenden regenschirm, die andere stellt ihren in einer selbstbewussten geste offen in den türbereich.

es geht darum dass sich die eine gestern von ihrem freund getrennt hat und er jetzt noch sachen bei ihr hat. was das denn für sachen wären, fragt die andere in einem tonfall, als würde sie sich nach dem wochenende der anderen erkundigen, ihre haarfarbe würde man als kupferfarbend bezeichnen wenn man es gut mit ihr meint, in wahrheit ist es straßenköterblond mit orangestich, es hebt sich farblich kaum von ihrem gesicht ab, sie verschränkt die arme. seine playstation, zählt die andere auf, man sieht ihr an dass es ihr nicht gut geht, seine filme, seine senseomaschine, trotz ihrer traurigkeit könnte sie auch ihre einkaufsliste ablesen oder ein kinoprogramm, es würde keinen unterschied machen. die andere nickt und macht pragmatisch mh-mh, sie pustet sich so von unten ihre mattorangenen strähnen aus der stirn. in der konversation ist so viel empathie vorhanden wie in einem telefongespräch mit dem kundenservice von o2. um die regenschirme bilden sich kleine pfützen auf dem bahnboden, das bahnfenster lässt die schönhauser straße stehen.

zuhause schließe ich ein audible abo ab um den podcast von rocko schamoni und gereon klug zu hören und bin fast ein bisschen traurig darüber dass es so unlustig und lahm ist was sie da reden. ich kündige das abo direkt wieder.

wenige leute sind kompatibel, um zwischenmenschlich miteinander zu kommunizieren, noch weniger, um das mit worten zu tun.