28.03 2019

das spannende an literaturveranstaltungen: sie sind das gegenteil jeder literaturwissenschaftlichen prämisse. der oder die autorIn ist nicht tot, er oder sie muss lebendig sein, muss performen, muss präsenter sein als das werk, muss geil twittern, muss irgendwas verkörpern, muss interessant sein und schlagfertig, witzig und entertainend. die werke sind am besten autobiografisch, oder zumindest autobiografisch durchsetzt. erst dann, denke ich, als sich bei der lesung gestern christoph daum an mir vorbei durch die reihe quetscht, scheint das ganze seine berechtigung zu haben. im saal riecht es abwechselnd nach fritteusenfett und schwefeligem atem, jemand hat hunger.

„in letzter zeit bin ich oft still“, sagt l. nach der lesung, wir beobachten das aus der location herauströpfelnde literaturpublikum, jetzt um eine signatur des autors reicher. „wenn jemand mit mir spricht, weiß ich einfach nicht was ich dazu sagen soll.“