26.03.2019

aus zeitvertreibsgründen laufe ich unweit der arbeit durch eine gegend dieser stadt in der ich noch nie war, frische luft, denke ich, das ist doch meistens ganz hilfreich.

nach etwa einem kilometer, der weg führt vom grüngürtel, der an dieser stelle nicht grün, sondern laut und befahren ist, weg, komme ich in etwas an, was man wohl wohngebiet nennt. menschen sehe ich nur in kombination mit ihren hunden, sie scheinen ausschließlich für ihre hunde zu existieren und rufen nach ihnen mit kindernamen, justus will nicht hören. justus. die atmosphäre in dieser gegend ist klinisch aber auf inkonsequent, alle treppenförmig gebauten häuser sind weiß, dazwischen eine straße gepflastert mit diesen platten, wie sie es eigentlich nur noch im osten gibt, hier und da liegt kinderspielzeug in vorgärten, alles wirkt wie eine mischung aus ard tatort und kaserne, wie ein versuch zu leben. ob die leute hier eher arm oder reich, alt oder jung, glücklich oder traurig sind, bleibt in der belanglosigkeit der merkwürdig charakterlosen gegend unklar.

schließlich komme ich in eine art parkanlage, die an das wohngebiet grenzt, vollkommen deplaziert steht dort ein rundes gebäude mit einer kuppel und einem brunnen in der mitte, an den seiten furchtbar hässliche plastiken von kindern. hunde würden eher passen, denke ich.

ach dem ersten weltkrieg sei das hier die mustergestaltung eines volksparks gewesen, lese ich gelangweilt auf einer infotafel, im ersten dann alles kaputt und wieder zusammengesetzt, der volkspark. dann gehe ich wieder, weil schon wieder ein hund kommt, an ihm dran seine besitzerin.

als ich später mit entsprechend trüber laune im konzertsaal sitze, der grundfarbton der frisuren um mich herum ist grauweiß, passiert etwas schönes. die musik, eine obonistin, die immer rosa anläuft beim spielen und ein streichquartett, spielen mich komplett aus der blässe des tages heraus und ich vergesse mich für eine in ihrer länge angenehme zeitspanne selbst.