01.03.2019: dortmund

manchmal denke ich, man könnte ja vielleicht, irgendwann, unter ganz bestimmten umständen, eventuell wieder herziehen, aber am ende bin ich immer nur beeindruckt von der desillusionierenden einfachheit dieser stadt und weiß eigentlich, dass ich auf dauer nicht damit umgehen könnte.

um 17 uhr mit M. in der innenstadt verabredet, in der bahn ist es unangenehm still und mindestens drei fahrgäste nuckeln abwesend an bierflaschen, es riecht nach diesen bierflaschen, alter zeitung und tristesse.

den einzigen kontrast zur absolut nichtssagenden city bietet dann leider eine kirmes, es ist laut und grell und lässt alles nur noch ein bisschen hilfloser wirken. mitleid ist das gefühl, das in mir aufkommt, als wir schließlich im integrierten café einer große buchhandlung sitzen, weil es der einzige ort ist, der mir einfällt, um hier irgendwo zu sein. aus den bodentiefen fenstern hat man einen schönen blick aufs riesenrad, dessen hektisch neonfarbenes blinken so fehlalamiert wirkt mit den menschenleeren gondeln

auf dem rückweg durch die fußgängerzone schnappe ich sätze auf, die hängenbleiben

„hab ich dir erzählt wie ich letztens magdalena gedisst hab“

„da ist doch schon wieder so ein homosexueller“

„bruder deine schwester soll sich ficken“

und die ich poetischer finde als jeden absatz, den ich in der buchhandlung aus dirk von lowtzows aus dem dachsbau überflogen habe. dirk.

michel houellebecqs serotonin hab ich hinten in die hose geklemmt, als ich ohne licht zurückfahrradfahre durch kalte vorstadt, hasse ein bisschen den literaturbetrieb und muss grinsen, weil es irgendwie absurd ist so mit serotonin am arsch und hauptsächlich weil ich gut drauf bin.

 

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