20.02.2019: montpellier

man kann so geil rumspazieren in dieser stadt weil sie zwar klein ist, aber dafür ein labyrinth. man verläuft sich ständig. ich hab verhältnismäßig viel zeit hier verbracht und verlaufe mich immernoch. außerdem ist es malerisch bis süß alles, fast ein bisschen zu süß vielleicht. man sollte nicht nur durchs pittoreske zentrum sondern auch durch das viertel laufen was so südwestlich vom bahnhof liegt, unterhalb vom viertel gambetta, ich glaube es hat keinen namen. da sind kaum leute und es ist so verschlafen und alles mit dieser typischen südfranzösischen liebe zum detail. man denkt automatisch es leben nur menschen hier mit gebräunter haut die entspannt gucken und vielleicht ein buntes tuch im haar haben.

während ich so rumspaziere muss ich dauernd an wolfgang beltracchi denken, diesen krassen kunstfälscher, der auch in dieser stadt gelebt hat oder immernoch lebt?
ich kann ihn jedenfalls verstehen. es ist so ein ort wo nichts passiert, aber auf gute art. man kann sein ding machen und hat den eindruck dass die welt einen in ruhe lässt, auch wenn die sonne scheint, wie heute.

als ich einen kleinen platz in o.g. viertel überquere fängt plötzlich ein mofa an zu brennen, an dem zwei typen rummontieren. wie auf einem geburtstagskuchen versuchen sie hektisch, die flamme auszupusten.

ulli hat heute geburtstag und ist morgens früh nach deutschland gefahren. ich kaufe mir kakao, weil kakao urlaub bedeutet. von weitem sehe ich youssef, der tatsächlich immernoch im selben kleinen mini gemüsemarkt arbeitet, aber hatte keine lust, ihn heute schon zu begrüßen, weil damit überraschung und euphorisches hallo verbunden ist und mir heute nach keinem von beiden war.

 

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