das leben zu genießen

es ist dienstag und ein überraschend warmer frühlingsabend in der kölner südstadt und prompt sehen alle happy aus und lachen viel,  leger werden  übergangsjacken über die eine und yogamatten in bunten tragebeuteln über die andere schulter geworfen, es ist die zeit des abends während der viele zum sport gehen oder vom sport kommen oder zumindest so aussehen wollen. generell ist der style des frühlings in diesem viertel sportiv und rein, frisch gesträhnt, glänzend gegelt und man sieht viele neue, grellweiß scheinende sneaker an füßen, deren fesseln endlich wieder herausblitzen unter der leicht angekrempelten, pastellfarbenen chino, kombiniert zu einem leichten hemd, bei dem heute abend die ersten beiden knöpfe geöffnet sind, mindestens. kinderlose pärchen in den außenbereichen der straßencafés unterhalten sich mit befreundeten kinderlosen pärchen über parkplatzsituationen (problematisch) oder ihre hunde (toll, wirklich) und trinken dabei großzügig dosierte weißweinschorle aus etwas zu bauchigen gläsern, sie müssen den kopf in den nacken legen, um den letzten schluck in sich hineinfließen zu lassen und sehen dabei noch ein bisschen übertriebener so aus, als würden sie das leben in vollsten zügen genießen und dabei wirklich überhaupt nichts auslassen. mit blicken, die zusammengesetzt sind aus viel langeweile, neid, bestätigung und zweieinhalb weinschorlen beobachten sie väter, die mit ihren fußballmannschaften von kindern und mehreren fußbällen vorbeiziehen in richtung stadtpark, der nur noch aus sattem grün und satten picknickern besteht und dem grillgeruch, der, und das wissen alle, die einzige konstante des nahenden kölner sommers bleiben wird. es ist der eigenartige flair aus dekadenz, frühlingshormon und ins immer schütterner werdende haar gesteckten sonnebrillen, es sind die in der sattgesehenen ästhetik (backstein, fritzkoladeal, irgendwo noch holz)  gehaltenen, vollbesetzten burgerläden, die schon fast bürgerlicher wirken als die bürgerlichsten brauhäuser, es ist das originalverpackte thermomixzubehör in den „zu verschenken“-boxen auf dem sauberen bürgersteig; all das zwitschert fröhlich, aber nicht zu laut: es lebt sich gut hier.

dann wird ganz plötzlich die urbane idylle gestört, zwei obdachlose männer im park fangen an sich zu streiten, immer lauter, es geht offensichtlich um einen platz auf der parkbank, ihr alkoholisiertes gebrüll bringt die angeleinten hunde zum bellen, väter unterbrechen das fußballspiel mit ihren kindern, die mit großen augen und fast im chor fragen papa was ist da los, spaziergänger in jeansjacken bleiben stehen und auch das rhythmische, wie ein metronom der szenerie wirkende geräusch eines pingpong ballwechsels unterbricht sich. glücklicherweise kommen dann sehr schnell und wie aus dem nichts zwei leute vom ordnungsamt und führen einen der obdachlosen weg, der andere lässt sich leise meckernd auf die bank sinken. in der kurzen, darauf folgenden stille klingt das abendliche zwitschern der vögel besonders laut

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