das internet ist vorbei [review: the screenshots – ein starkes team]

europa, deutschland, die liebe und das internet. genau 16 minuten, 48 sekunden und sieben songs braucht es also, um die themen der gegenwart so simpel wie poetisch, so melancholisch wie energetisch, so warm wie humorvoll abzuhandeln. drei bekannte anonyme (ha) twitteruser – kurt prödel, dax. d. werner und susi bumms – sind „the screenshots“, eine aus fiktiven avatars bestehende band, die mit ihrem ersten album „ein starkes team“, genau das auf den punkt bringt, was gerade passiert. verpackt in eingängigen gitarre-schlagzeug-bass-melodien schaffen es die mal geschrienen, mal gekrächzten, mal gesprochenen texte (die in ihrer kompletten länge ungefähr einem thees uhlmann-song entsprechen) in twitter-lingo irgendwie genau dahin, wo es wenig hinschafft: unironisch ins mark der postinternet-generation. dafür wirft einen das album als erstes in die reallife-konzertatmosphäre eines spärlich besuchten jugendzentrums irgendwo in leverkusen:  „vor der bühne ist noch platz“ („bühne“). danach wird dem internet und europa das ende attestiert („vorbei“), bevor es im nächsten schritt wieder hoffnung gibt: an europa, an den mond und dich („sonnenschein“). im musikalisch wohl experimentellsten song des albums wird gefragt, wie viel dir deine arbeit wert ist und was angela merkel eigentlich gedacht hat, als sie anfing mit der politik („deutschland“). es schließt versöhnend mit kleiner- drei-internetromantik: „baby, du bist der spannenste kontakt meines lebens“ heißt es zu beginn des letzten songs  „team“. mit der einfachheit der akkorde, dem hang zum (extrem gut ausproduzierten) dilettantismus und dem unerwarteten hype fiele es leicht zu sagen: internetphänomen, keine substanz.  plötzlich ist die flut da, die schon morgen wieder abebben kann. wenn man sich das album aber in die frühlingswarmen synapsenstränge geknallt hat, sich zurücklehnt und durchatmet, fühlt es sich genau andersrum an und es bleiben höchstens fragen wie zb was ist heute eig kein internetphänomen? habe ich das internet verstanden? oder hänge ich einfach viel zu viel in meiner bubble? und wer liest überhaupt noch so 1 lange rezension auf irgendeinem blog lol

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