januar

michel houellebecq meinte glaub ich mal paris ist im januar am schlimmsten aber man kann natürlich einwenden dass im januar eigentlich egal wo man ist oft komische stimmung herrscht. es ist so eine anstrengend konfrontation von einerseits leuten die so übertrieben neujahrsenthusiastisch an einem vorbeijoggen und man sieht nicht nur an ihrem laufstil sondern auch an dem frischen preisschild das noch unter der schuhsohle klebt dass dieser mensch sich mit aller macht und teurer laufausrüstung verändern will und zwar unbedingt jetzt und unbedingt zum besseren. sie haben sich von dieser stimmung anstecken lassen dass da gerade wirklich irgendwas beginnt obwohl es eigentlich nur ein altes zeitrechnungskonstrukt ist was sich gregorianischer kalender nennt das im januar dafür sorgt dass die anzahl an fitnessstudioabos und grünen smoothie rezeptvideos auf youtube explodieren. diese menschen schnaufen dann vorbei an anderen menschen die sich mit  hochgezogenen schultern in ihren wintermänteln verstecken und entweder ihre hunde, ihre kinder oder ihre winterdepression spazieren führen und sich unter druck gesetzt fühlen von diesen vorsatzmenschen deren sportklamotten aber natürlich in den meisten fällen auch in spätestens zwei wochen in einer schublade oder bei ebay kleinanzeigen verstauben. so etwas kann man gehäuft sonntags im januar beobachten und wahrscheinlich besonders oft an einem sonntag nachmittag an dem es die sonne für eine halbe stunde schafft all diese leute aus ihren löchern zu locken weil die denken wow die sonne es gibt sie noch. aber auch die sonne ist eher grell im januar weil es gibt kein blattwerk durch das sie lieb und sanft hindurch scheinen könnte sondern nur kahle äste durch die sie ungefiltert und irgendwie gemein durchstrahlt und sich dann in vereisten pfützen reflektiert und alle blendet und ungefiltert winterblasse, leicht aufgedunsene gesichter mit deren sorgen, ängsten und trockenen stellen zum vorschein bringt. dazu kommt das konstante gefühl eines lochs weil erstmal alle festivitäten vorüber sind und selbst wenn man darüber froh ist hat man trotzdem keine kraft für den alltag. der januar ist eigentlich wie ein in die länge gestreckter katertag bei dem lauwarmes wasser mit zitrone trinken nichts bringt, man muss ihn einfach überstehen und geduld haben wie die weihnachtsbäume die nadelnd und ein bisschen traurig auf den straßen stehen oder liegen und wenn man genau hinschaut dann sieht man dass sie sich sogar ein bisschen freuen endlich hier wegzukommen

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