goldener herbsttag

gestern war so ein wunderschöner herbsttag der schon fast unwirklich wirkt im nachhinein weil er so schön war, man hat sowas ja lange nicht erlebt so einen richtig perfekt temperierten, ausgeleuchteten, duftenden tag weil im sommer kommt sowas nicht vor jedenfalls nicht in dieser tiefe und diesem farbspektrum, im sommer ist alles ein bisschen flacher, aber gestern konnte man so richtig tief einatmen und sich schöne orangegelbgefärbte herbstgedanken dabei machen. dann laufe ich so durch die rues durchs 17. und 18. und freue mich so über das bunte laub und hebe zwischendurch eine frisch rausgeplatzte kastanie auf weil mittlerweile ist es die zeit wo man sowas machen kann, betrachte sie filmreif einen moment zu lange weil sie so schön glänzt und behalte die formschöne kastanie in der hand bis sie so angewärmt ist und wärme  mir in gedanken schon so kürbissuppe auf und ziehe meine jacke etwas fester um die hüfte weil es wird ja jetzt doch langsam etwas kalt. das licht fällt durch die bäume auf die fassaden, lässt leute blinzeln oder so sonnenbrillen tragen oder sich die zunge an ein paar frisch gegrillten maronen verbrennen, man ist im wohligen gemütlichkeitsmodus. dann passiert plötzlich eine situation ich sehe nämlich eine blonde madame die offensichtlich geld hat oder zumindest so wirken will als hätte sie welches mit einer weste aus fell und viel goldschmuck und auch gold an ihrer sonnenbrille und eine große handtasche trägt sie mit glaub ich chanellogo und auch gold. jedenfalls hat es diese frau wie alle leute die so aussehen supereilig, sie hat so diesen stacksigen gang der einem sagt dass sie es evtl gar nicht so eilig hat aber sie möchte eben so wirken als hätte sie es eilig das ist der style. es ist eng auf dem bürgersteig wegen der vielen leute die flanierend ihre maronen essen und in die sonne grinsen und an einer stelle ist es besonders eng weil da ein obdachloser sitzt. davon lässt sich die eilige madame aber nicht aufhalten und will einen großen ausfallschritt quer über den obdachlosen machen, dabei bleibt sie aber mit einem absatz von ihrem rechten schuh am becher hängen in dem der obdachlose sein erbetteltes geld sammelt und reißt ihn um mit diesem absatz der allein wahrscheinlich mindestens 100 mal so viel wert ist wie der inhalt des bechers und die geldstücke kullern dann so zwischen die füße der vorbeiflanierenden leute und das schlimmste ist dass es niemand merkt, nicht mal die madame die einfach weiterstolziert und der obdachlose versucht sich sein geld zurückzusammeln in der gleißenden herbstsonne die sich golden bricht auf einem 10 cent stück auf dem bürgersteig

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