paris 18

erste eindrücke sind ja bekanntlich das wichtigste deswegen dachte ich mir ich schreibe meinen einfach direkt mal auf bevor er verpufft. bin gestern also gare du nord angekommen und hab mich da schon selig gefühlt obwohl noch nichts passiert war und gare du nord alles andere als ein ort ist um selig zu sein, aber habe kurz auf die preise vom bäcker paul geguckt, 3,50€ für ein croissant, wie um sicher zu gehen und hab mich dann darüber gefreut. bin dann in die ligne 4 die ich sehr gut kenne aus dem letzten jahr und gucke so auf die muffigen polster auf den sitzen und in die augen der fahrgäste und bilde mir ein dass es sogar gleich riecht in der metro wie letztes jahr und hab fast so ein nachhause kommen gefühl was natürlich komplett übertrieben ist aber naja es war so. dann komme ich auch noch aus der metro und die sonne knallt mir so ins grinsende gesicht nachdem ich aus einem verregneten köln komme aus einer wohung in der am selben tag noch der kühlschrank kaputt gegangen ist und es gerochen hat wie kinderkotze in der gesamten wohnung wie so ein zeichen dass es jetzt mal zeit ist zu gehen. dann gehe ich immernoch grinsend an den pakistanisch verwurzelt scheinenden männern vorbei die erdnüsse und maiskolben auf einkaufswagen rösten und popcorn verkaufen und auf dem boden sitzen die frauen mit afrikanischen wurzel und preisen gemüse an und rufen exakt das gleiche wie letztes jahr, auch in der gleichen stimmlage und ich grinse immernoch, alle gucken schon so skeptisch und fragen sich auf welcher droge dieses weiße girl ist das mit dieser riesigen reisetasche über die pflastersteine stolpert. dann werde ich herzlich vom lieben mitbewohner begrüßt der sich gerade in einer scheidung befindet aber dafür eig ganz locker drauf ist und wir freuen uns ehrlich über dieses wiedersehen und dann gehe ich nachdem ich den inhalt der riesigen reisetasche verstaut habe los durch das viertel dieser stadt dessen unverschämte schönheit ich wirklich schon fast vergessen hatte, trinke schließlich ein bier in der lieblingskneipe aus dem letzten jahr und beobachte zu dem zeitpunkt den ca 6. franzosen der sein baguette so geil unter den arm klemmend die straße überquert und dabei ein kleines stückchen brot abreißt und dann in den mund steckt und der ganze bewegungsablauf wirkt so natürlich wie atmen und alle nebentische um mich herum reden, weil franzosen so etwas wie schweigen immernoch kein begriff ist weil sie können einfach immer reden und es entsteht nie diese deutsch-typische peinliche stille am nebentisch wo man denkt dass die auf jeden fall andere gespräche mithören jetzt und ich höre ihre gespräche mit und atme tief ein.

Rue_Myrha,_Paris_18